Zur Startseite
  • Home  › 
  • Für junge Naturforscher

Naturforscher

Lebensraum Serpentin-Steinbruch

Im letzten Heft konntet ihr Einiges zum Lebensraum Steinbruch allgemein erfahren, sowie Pflanzen und Tiere kennenlernen, die in Steinbrüchen mit Diabasgestein zu finden sind.

Heute nehme ich euch mit zu einer schon länger stillgelegten Abbaustelle vom seltenen Serpentingestein, denn hier gibt es wieder Erstaunliches zu entdecken. Schon die Farbe des Gesteins ist auffallend: Grün und schwarz geflammt und glänzend, als wäre es mit Fett eingerieben.

Die Zusammensetzung des Gesteins ist ebenfalls ungewöhnlich, denn es enthält viel Magnesium, Eisen und andere Schwermetalle. Nur Pflanzen, die diesen Metallcocktail vertragen, können hier gedeihen. Zusätzlich ist das Serpentingestein sehr hart und verwitterungsbeständig. Die für Pflanzen nutzbare Bodenschicht ist hier entsprechend dünn und nährstoffarm. Es braucht also richtige Spezialisten unter den Pflanzen, um mit solch harten Bedingungen zurechtkommen.

 

Pflanzen auf Serpentingestein

Auf jeder freien Stelle in unserer Landschaft, die nicht bewirtschaftet wird, versuchen sich Bäume anzusiedeln – auch auf Serpentingestein ist das nicht anders. Auf dem kargen Boden der Felsvorsprünge haben nur Kiefern eine Chance. Aber auch diese relativ anspruchslosen Nadelbäume zeigen durch ihren kümmerlichen und oft verkrüppelten Wuchs, dass es ihnen auf diesem Standort nicht wirklich gut geht. Für uns Betrachter sind die urigen Baumgestalten ein interessanter Anblick.

Wer sich in der Umgebung von Oberkotzau auskennt, weiß, dass ein Besuch der nahen Serpentingestein-Felswand in der Zeit um Pfingsten ein besonderes Erlebnis ist. Jetzt blühen auf und zwischen den Steinen jede Menge rosafarbene Pfingstnelken, weißer Rosen-Steinbrech und gelber Mauerpfeffer. Die blaugrünen Halme des Schaf-Schwingels ergänzen das farbenfrohe Bild.

Wenn bei Sonnenschein die Farben der Pflanzen auf dem glänzenden, grünschwarzen Gestein in ganzer Pracht leuchten, ist der Anblick so traumhaft schön, dass ein Foto oder Worte es gar nicht wiedergeben können.

Aber auch bei den eher unscheinbaren Pflanzen gibt es ganz seltene Spezialisten. Dazu gehören zwei Farnarten, von denen ich euch den Braungrünen Streifenfarn vorstellen möchte.

Sein Stiel (Rhachis genannt), an dem die kleinen Fiederblättchen sitzen, ist unten braun und oben grün und er wächst nur auf dem schwermetallhaltigen Serpentingestein. Auf Diabas wächst der Braunstielige Streifenfarn (siehe Foto im letzten Heft) und auf Kalkgestein der Streifenfarn mit der grünen Rhachis. So sind es oft feine Unterschiede innerhalb der gleichen Pflanzengattung, die eine Besonderheit anzeigen und Hinweise auf die jeweilige Bodenart geben können.

Unterhalb des Felshanges, wo die Bodenschicht etwas üppiger ist, finden wir das gelbblühende Echte Labkraut, Hasen-Klee, Thymian und mit etwas Glück auch das mehrfarbig blühende Buchsbaumblättrige Kreuzblümchen.

 

Lebensraum für seltene Tiere

Da Steine die Sonnenwärme gut speichern können, finden wir in Steinbrüchen häufig Tiere, die sonst eher in wärmeren Gegenden Deutschlands vorkommen. Das grünschwarze Serpentingestein kann die Wärme besonders gut speichern, sodass sich hier selbst die Zauneidechse wohlfühlt, die sonst in den Weinbergen von Rheinland-Pfalz zu Hause ist.

In unserer Gegend häufiger ist die kleinere Berg- oder Waldeidechse, die an kühleres Klima angepasst ist. Auch bei den Insekten finden wir wärmeliebende Arten, z.B. den Mauerfuchs, das kleine und sehr seltene Steinflechtenbärchen oder den Ampfer-Purpurspanner.

Wie immer kann ich euch an dieser Stelle nur eine kleine Auswahl von Pflanzen und Tieren vorstellen.

 

Schutz des Lebensraumes

Jedes Vorkommen von Serpentingestein ist wegen seiner Seltenheit ein besonders zu schützender Lebensraum. Das gilt ebenso für die Pflanzen, die nur auf dieser Gesteinsart wachsen.

Wir können stolz sein, solche seltenen Landschaftselemente mit den besonderen Pflanzen und Tieren in unserem Landkreis zu haben. Das bedeutet aber auch, dass wir besondere Verantwortung für den Erhalt und Schutz dieser Lebensräume haben. Jeder von uns muss sich in diesen Bereichen verantwortlich verhalten, darf achtsam die Schönheit genießen, aber nicht in den Felsen herumkraxeln, Müll hinterlassen oder andere Schäden verursachen.

Hannelore Buchheit