Naturforscher - Käfer
Eine Insektengruppe, die mehr Aufmerksamkeit verdient hat
Gerade jetzt, wo ich die Überschrift aufschreibe merke ich, der Satz trifft auch auf mich zu. Libellen, Heuschrecken, Schmetterlinge - alle beachte ich mehr, als Käfer.
Das muss sich ändern! Macht ihr mit?
Käfer sollen die Tiergruppe mit den meisten Arten auf der ganzen Welt sein. Allein in Deutschland sind schon mehr als 6.500 verschiedene Käfer entdeckt worden. Da kann einem schon der Mut verloren gehen, sich näher mit ihnen zu beschäftigen. Aber wir schauen einfach mal, was uns im Garten und auf der Wiese nebenan begegnet und stellen fest, ein paar kennen wir ja schon.
Da sind z.B. die Marienkäfer. Über die freuen sich alle, weil ihre Larven die Blattläuse im Garten wegfressen und die Käfer hübsch aussehen. Habt ihr schon gemerkt, dass es ganz viele verschiedene Marienkäfer gibt? Die häufigen roten mit sieben schwarzen Punkten, aber auch schwarze mit roten Punkten oder gelbe mit ganz vielen schwarzen Punkten. Wenn wir in diesem Sommer auf Entdeckungsreise gehen, werden wir sicher noch andere finden.
Sehr unbeliebt haben sich dagegen die Kartoffelkäfer gemacht. Nachdem sie das Kraut von den Kartoffeln gnadenlos wegfressen, können die Knollen unter der Erde nicht richtig wachsen und die Ernte fällt mager aus. Als ich Schulkind war, gab es richtige Kartoffelkäferplagen. Wir wurden während der Unterrichtszeit auf die Felder gefahren und mussten die Käfer absammeln. Der Vorteil - es wurde kein Gift auf die Felder gespritzt. Der Nachteil - Mathe und Deutsch mussten wir dann schneller lernen. Für uns sind die Käfer in ihrem gelb-schwarz gestreiften Frack große Schädlinge; für das Rebhuhn und einige Laufkäferarten sind die Kartoffelkäfer und deren Larven Lieblingsspeise.
So ein Laufkäfer, der Kartoffelkäferlarven gern frisst, lief voriges Jahr im Garten eilig von mir davon. Um ihn genauer betrachten und fotografieren zu können, musste ich ihn in einem Glas einfangen. Farbenprächtig sah er aus und das zeigt auch sein Name "Goldglänzender Laufkäfer". Die Laufkäfer sind eine große Familie; alle haben lange Beine mit denen sie schnell einer Beute hinterher rennen oder vor einer Gefahr wegrennen können. Für uns Menschen sind sie sehr nützlich, weil sowohl ihre Larven, als auch die fertig entwickelten Käfer mit großem Appetit andere Insekten, Würmer und Schnecken vertilgen. Auch die Larven der Kartoffelkäfer stehen auf ihrem Speiseplan ganz oben. Die Laufkäfer selber werden gern von Greifvögeln und Eulen gefressen und ihre Larven schmecken z.B. den Kröten gut.
So ist in der Natur mit ihrer Vielfalt an Lebewesen dafür gesorgt, dass keine Art überhand nimmt und sich immer wieder ein Gleichgewicht einpendelt.
Wenn es viele Blüten bei euch im Garten oder auf einer benachbarten Wiese gibt, ist euch sicher schon mal ein schwarzer Käfer mit vielen weißen Punkten aufgefallen. Dieser Trauer-Rosenkäfer ist in den letzten Jahren deutlich häufiger geworden und auf gr0ßen Doldenblüten naschen manchmal mehrere Exemplare vom Nektar und Blütenpollen.
Ein anderer Liebhaber von Nektar und Pollenspeise ist der Gefleckte Schmalbock.
Die Mitglieder der großen Bockkäfer fallen durch ihre langen, fein gegliederten Fühler auf. Vielleicht entdeckt ihr auch noch einen Moschusbock, dessen Beine und Fühler leuchtend blau sind.
Für heute beende ich meinen Käferspaziergang und nehme mir vor, in diesem Sommer die Käfer im Wald genauer zu betrachten. Einen wichtigen Stellenwert in der Natur haben sie alle - ganz gleich, ob wir Menschen sie als nützlich oder schädlich betrachten.
Ein chinesisches Sprichwort sagt: "Jeder dumme Junge kann einen Käfer tot treten, aber kein Professor der Welt kann einen herstellen". Das gilt natürlich genauso für dumme Mädchen! Also: Schauen wir uns die Käfer gleich an und lassen sie danach wieder laufen!
Hannelore Buchheit